Sehr geehrter Herr Dr. Schröder, sehr geehrte Mitglieder des „Vereines zur Erhaltung von Natur und Landschaft des ehemaligen Steinbruches Nieder-Ramstadt und der Stettbachaue e.V.“, entschuldigen Sie bitte die verspätete Stellungnahme Ihrer Anfrage bezüglich der beiden Areale Steinbruch und Stettbachaue und verlesen Sie diese bitte während Ihrer Jahreshauptversammlung. Wie Sie wissen, begleite ich die Arbeit Ihres Vereines seit vielen Jahren - also seit Anfang an - sehr interessiert, aber auch kritisch. So habe ich das ein oder andere Mal bei Besuchen Ihrer Jahreshauptversammlungen bzw. Veranstaltungen Ihres Vereines meine Meinung und Einschätzung zu Themen und Ideen geäußert, die nicht immer ungeteilten Zuspruch gefunden hat. In der Sache selbst und auch aus persönlicher Überzeugung stehe ich selbstverständlich grundsätzlich für den Erhalt sowohl des Steinbruches als auch der Stettbachaue. Dies habe ich auch unter großem Beifall ganz deutlich bei meiner Vorstellung am 13.01.2007 im Bürgerzentrum Nieder-Ramstadt auf dem Neujahrsempfang der SPD Mühltal in meiner Rede zum Ausdruck gebracht ( Zitat: „ Ebenso liegt es mir am Herzen, den Nieder-Ramstädter Steinbruch und seine Umgebung als natürliche Entwicklungsfläche zu erhalten. Handelt es sich hierbei doch letztendlich um eine seit mehreren Jahrzehnten fast unberührte Oase inmitten unserer Gemeinde“ ). Ebenso habe ich mich für den Schutz der vorhandenen Wasservorkommen und ihrer Qualität ausgesprochen. Für mich gehört im Sinne meines Slogans „Für die Menschen in Mühltal“ eine gesunde Umwelt und vor allem eine vorhandene Natur zur unverzichtbaren Wohn- und Lebensqualität der Einwohner Mühltals. Diese Auffassung wurde mir meiner Meinung nach letztendlich durch den Konsens des Plenums der AGENDA 21 am 27.01.2007 bestätigt. Zudem wurden mittlerweile zwischen Vertretern Ihres Vereines und der Vogel- und Naturschutzgruppe Traisa, deren Vorsitzender ich ja seit Februar 2006 bin, in Gesprächen freundschaftliche Kontakte aufgenommen. Dies wird sich in Zukunft wahrscheinlich fortsetzen und ergänzen, so dass eine gedeihliche Zusammenarbeit erwachsen kann. Auch lade ich Sie als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Landschaftspflege regelmäßig zu unseren Treffen ein. Auch hier musste ich mich - wie Ihnen sicher noch bekannt ist - anfänglich gegen teilweise erbitterten Widerstand durchsetzen. Nun aber zu den Kernpunkten Ihrer Anfrage: Den Nieder-Ramstädter Steinbruch möchte ich entsprechend des wirksamen Flächennutzungsplanes als natürliche Entwicklungsfläche erhalten, d.h. unverändert in seinem jetzigen Bestand. Meiner Meinung nach hat hier weder eine Verfüllung, noch eine Schredder-Anlage etwas verloren ( Stichworte: Feinstaub, Lärm, Verkehrsbelastung, usw. ). Genauso wenig sollte der Steinbruch zum Freizeitzentrum ,Event-Treff oder Erlebnis-Naturschutzgebiet „ausgebaut“ bzw. avisiert werden. Denn das ist meiner Auffassung nach der Sache gegenüber kontraproduktiv. Der ehemalige Steinbruch sollte daher in seiner jetzigen Form unverändert bleiben. Für den Nieder-Ramstädter Steinbruch wünsche ich mir „Natur pur“. Für die Zukunft stelle ich mir vor, dass ein Teilstück des Weges am oberen Rand ( vom Parkplatz Steinbruch-Theater bis zur Sitzgruppe Auf der Höhe ) Spaziergängern zugänglich gemacht wird. Aber hier sind selbstverständlich die Eigentumsverhältnisse zu berücksichtigen. Denn schließlich ist der Eigentümer auch für die ( vorzunehmenden ) Sicherheitsmaßnahmen verantwortlich. Hier würde ich mich als Bürgermeister gerne als Vermittler zur Verfügung stellen, um eine von allen Seiten akzeptierte Lösung einer solchen Angelegenheit herbei zu führen. Der Erhalt der Stettbachaue ist natürlich grundsätzlich ebenso zu befürworten wie der Erhalt des Nieder-Ramstädter Steinbruches. Nur birgt hier die derzeitige Ausgangslage völlig andere Voraussetzungen, so dass sich die Lage sehr differenziert darstellt. Die Entwässerung von Teilen Traisas – insbesondere des Neubaugebietes „Bürgerhaus II“ - findet üblicherweise gänzlich über die Röderstraße und den unteren Teil der Nieder-Ramstädter Straße statt. Als Entlastung in Notsituationen ( also bei sehr starken und stärksten Unwettern ) wird nunmehr endlich der Abwasserkanal in der Verlängerung der Hinteren Röderstraße vorbei an der Wiesenstraße, unter dem Bahndamm durch, fertiggestellt. Somit wird es pro Jahr ganz selten hin und wieder einmal dazu führen, dass Abwasser ( überwiegend Oberflächenwasser ) durch diesen Entlastungskanal abfließt und dann auch leider die eine oder andere Hinterlassenschaft der Zivilisation mit sich bringt. Diese Entlastungskanäle gibt es auch z.B. in Traisa vom Roten Berg hinunter zum Vogelteich. Dort läuft er dann am Vogelteich vorbei und wird unterhalb des Teiches in die Ohlebach geleitet. Aus meiner Erfahrung heraus lässt sich sagen, dass sich der Entlastungskanal nur ganz selten füllt und sich die Hinterlassenschaften daher in Grenzen halten. Die Kanalisation Trautheims an sich scheint hier auch Probleme mit sich zu bringen. Soweit mir aber bekannt ist, ist die Kanalisation ausreichend dimensioniert und somit dürfte der Einfluss in den Stettbach nur punktuell gegeben sein. Gerne bin ich jedoch bereit, einen Ortstermin mit Ihnen in der Stettbachaue wahrzunehmen, um die Probleme zu diskutieren. Hierzu bietet sich der Termin meines Ortsrundganges in Trautheim an, den Sie bitte meiner Homepage entnehmen möchten. Sollte sich jedoch aufgrund des sich verändernden Klimas die „Unwetter-Situation“ wesentlich zum Negativen hin etablieren, so sind in Zukunft bezüglich der Entwässerung mit Sicherheit grundsätzliche Änderungen zu erwarten bzw. in Betracht zu ziehen. Zum Thema Bebauung ist fest zu stellen, dass sich wohl der Einkaufsmarkt, usw. am Wagenscheinweg aufgrund anderer Interessen des Investors erledigt haben dürfte. Hier wäre noch der Flächennutzungsplan entsprechend zu verändern, d.h. rückgängig zu machen. Der Bebauungsplan „Alte Dieburger Straße“ würde aus baurechtlicher Beurteilung lediglich eine Baulücke schließen ( obwohl es sich um ein „Eckgrundstück“ handelt ). Da es sich hier meiner Meinung nach um keine besonders schützenswerte Fläche handelt und der Abstand zur Stettbach ausreichend vorhanden ist, ist hier eine Bebauung möglich. Über das „WIE“ wird ja zur Zeit noch gestritten bzw. verhandelt. Im übrigen stehe ich dazu, dass das Verfahren während meiner letztjährigen Vertretungszeit wieder aufgenommen wurde. Auch wenn dies, wie eingangs bereits erwähnt, dem ein oder anderen nicht so recht passen mag. Die großen Pappeln entlang der Stettbach wurden bzw. werden nacheinander gefällt. Die Aktion in diesem Winter war die zweite, bei der hauptsächlich bereits abgestorbene Bäume umgemacht wurden. Die letzten großen Pappeln werden dann in ca. 5 Jahren an der Reihe sein. Dies entspricht der mit der Unteren Naturschutzbehörde getroffenen Vereinbarung. Adäquate Ersatzpflanzungen werden selbstverständlich vorgenommen. Die Ersatzpflanzungen nach der ersten Aktion nimmt man heute schon fast nicht mehr wahr; so haben diese sich ins Landschaftsbild integriert. Eine Straße ( Stichwort: Stettbachspange ) bzw. ein Weg als Verbindung zwischen Dornwegshöhstaße und Flachsröse ist „vom Tisch“, da in diesem Bereich keine Genehmigungsfähigkeit vorliegt. Eine weitere Zerschneidung der Stettbachaue ist daher erfreulicherweise nicht gegeben. Für den Schutz und den Erhalt der Stettbachaue unter Berücksichtigung der aufgezeigten Sachverhalte bzw. vielleicht auch Sachzwänge werde ich gerne eintreten und möchte in diesem Sinne auch als Bürgermeister die bisherige konstruktive Zusammenarbeit mit Ihnen gerne fortsetzen. Mit freundlichen Grüßen Ihr Eric Robert Bender