Nachdem nun die OHI im dritten Anlauf das Abpumpen des Steinbruchsees als erstes Puzzle-Steinchen in dem großen Rekultivierungs-Vorhaben genehmigt bekommen hat, ist es jetzt einmal an der Zeit, sich die Auswirkungen des Gesamt-Vorhabens vor Augen zu führen.
Ist der See erst einmal leergepumpt (mit der Technik, die jetzt installiert wird, dauert das nur einige wenige Jahre), dann beginnt die Verfüllung der Grube mit eigenem Material. In Klartext heisst dies, dass auf dem Haldenrand zuerst einmal jeder Baum und Strauch entfernt wird (wo diese immense Biomasse entsorgt werden soll, ist ungeklärt). Mitten in unserer schönen Gemeinde wird dann über Jahrzehnte eine tote Mondlandschaft von über 16 Hektar Fläche entstehen.
Der noch verwendbare Schotter, den die OHI damals vergessen hat, wird mit schwerem Gerät wieder ausgegraben und vermarktet. Da der Strassenbau und die Beton-Herstellung sauberes Material verlangt, muss der Schotter vor dem Verkauf gewaschen werden. Wo das Abwasser hingelangen soll steht in den Sternen. Ebenfalls in den Traisarer Bach vielleicht? Oder in eine Schlammgrube auf dem Gelände. Ein Beispiel wie so etwas aussieht haben wir noch in Erinnerung von den toten Landschaften bei Bitterfleld nach der Wiedervereinigung.
Der Material-Transport erfolgt üblicherweise in schweren Steinbruch-Muldenkippern. Deren mannhohe Räder zermahlen das Gestein auf den Fahrwegen zu pulverfeinem Staub. In trockenen Sommern bilden sich dann über dem heissen Gestein Windhosen, die den Staub in der Umgebung verteilen. Einige Bäume werden das überstehen, viele absterben. Ältere Mitbürger können sich noch daran erinnern, wie es in der Umgebung des damaligen Brechers aussah.
Zum Transport der Millionen Tonnen von Material ist natürlich eine
Flotte von Steinbruch-Fahrzeugen
erforderlich. Ein einziger
Schwerer Muldenkipper verbraucht 70 bis 100 Liter Dieselkraftstoff in der
Stunde, der dann als Abgas wieder entfleucht. Diese Maschinen haben, da
sie nicht im öffentlichen Strassenverkehr betrieben werden, keine Russfilter
und auch keine Lärmdämmung.
Dieses alles erfolgt im 21. Jahrhundert mitten in einer dichten Wohnbesiedelung über die nächsten 20 bis 30 Jahre. Kann das wirklich sein, oder träume ich das nur?
Günther Löffler
1. V. Steinbruch Nieder-Ramstadt e.V, 14. 6. 2003