Bericht über das Arbeitstreffen der IG Steinbruch am 25.11.2002
Am 25.11. 2002 trafen sich im "Chausseehaus" auf Einladung der Interessengemeinschaft gegen eine betriebliche Nutzung des Steinbruchgeländes (IG) etwa 25 Bürger, die in der unmittelbaren Nähe des ehemaligen Steinbruches in Nieder-Ramstadt wohnen. Die Begrüssung und Darstellung der aktuellen Situation erfolgte durch Dr. Florian Schröder.
Martin Strippel berichtete über Wassergutachten des RP Darmstadt
und andere formale Gesichtspunkte. Laut Wassergutachten zweier Stellen besteht
der Steinbruchsee aus ca. 40% Grundwasser und 60% Oberflächenwasser.
Diese Auffassung vertritt auch der Tauchclub Darmstadt, der den See einige
Zeit sportlich nutzte. Von Seiten der Steinbruch-Eigner (OHI) wird dies
jedoch bestritten. Hintergrund dafür könnte sein, dass, wenn Grundwasseranteile
den See speisen, für ein geplantes Auspumpen ein Planfeststellungsverfahren
durch die OHI beantragt werden müsste, nicht so jedoch bei reinem Oberflächenwasser.
Es sollen zwischen OHI und der Gemeinde auch Überlegungen erfolgt sein,
das Waasser des Steinbruchsees in das Leitungsnetz der Gemeide einzuspeisen
(dies wurde mit ungläubigem Staunen von der versammelten Runde zur
Kenntnis genommen). Ebenfalls würden Überlegungen angestellt,
den Aushub aus dem Tunnelbau am Lohberg in den ehemaligen Steinbruch zu
verfüllen. Es scheint aber äußerst fraglich ob das terminlich
mit dem Genehmigungsverfahren in Einklang gebracht werden kann.
Herr Kurt Bischoff vom Bund für Umwelt und Naturschutz, Ortsverband Mühltal, stellte die möglichen Folgen der OHI-Pläne aus Sicht des Naturschutzes dar. Dabei wird der Begriff der "Renaturierung" von Seiten der OHI nahezu in sein Gegenteil verkehrt. Zur Zeit ist es so, dass sich die Natur auf natürlichem Wege wieder von selbst ein Reservat geschaffen hat. In dem See leben Fische, die Steilwände werden durch verschiedene Vogelarten bewohnt und die ehemaligen Abraumhalden sind mit einem dichten Wald bewachsen. Die Pläne der OHI einer Verfüllung würde bedeuten, dass mindestens für die nächsten 30 Jahre eine Fabrikanlage (z.B. Bauschutt-Recycling) entstehen würde, die durch Natureingriffe, Emissionen und LKW-Verkehr die ganze Umgebung in Mitleidenschaft ziehen würde.
Frau Eva Pauli berichtete über die Kontaktaufnahme mit einer Frankfurter Anwalts-Kanzlei, die sich speziell mit Umweltfragen befasst. Die Kanzlei wird für eine erste Beratung zur Verfügung sehen. Es sollen die rechtlichen Grundlagen für eine Betriebs-Wiederaufnahme ermittelt und geeignete Gegenmassnahmen ausgelotet werden. Diese Arbeiten werden ca. 2000 Euro kosten. Etwa die Hälfte der Teilnehmer haben sich spontan bereiterklärt, sich an den Kosten zu beteiligen. Ein Spendenkonto wird hierfür (und für zu erwartende weitere Kosten) eingerichtet. Herr Klaus Fuchs berichtete über genehmigungsrechtliche Recherchen.
Günter Löffler stellte die neu eingerichtete Internetseite www.steinbruch-nieder-ramstadt.de vor. Die Internetseite soll der schnellen Kommunikation zwischen den Beteiligten und der Öffentlichkeit dienen. Er präsentierte einige Abschätzungen über das Gesamtvolumen der Grube, Volumen des Verfüllmaterials, und Anzahl der erfoderlichen LKW-Bewegungen. Die Schätzwerte werden anhand eines Katasterauszuges noch konkretisiert.
Am Mittwoch, den 27.11. fand eine Sitzung des Ortsbeirates Nieder-Ramstadt statt. Punkt zwei der Tagesordnung war der Antrag der OHI/MHI auf Einleitung von Wasser des Steinbruchsees in den Ohlebach. In einer Sitzungspause wurden die Bedenken der IG dem Ortsbeirat mitgeteilt.
Herr Stenger schlug vor, die Öffentlichkeit stärker in unser Anliegen mit einzubeziehen. Es soll eine Flugblatt- und Unterschriftenaktion gestartet werden. Eine Arbeitsgruppe wurde hierfür gebildet. Eine weitere Arbeitsgruppe mit Eva Pauli wird die Kontakte mit der Rechtsanwalts-Kanzlei weiterführen.
Weitehin wurde angeregt, Kontakte mit Bürgermeister Runsch und mit führenden aller Politikern der Parteien herzustellen. Dieses soll noch vor den Landtagswahlen erfolgen.
Das nächste Arbeitstreffen der IG wurde auf Montag, den 20. Januar 20:30 Uhr wieder im Chausseehaus festgelegt.