Mühltal - Steinbruchnutzung Nieder-Ramstadt - Unterbrechung der Ortsbeiratssitzung am 27.11.02
Bei der Ortsbeiratssitzung am 27.11. wurde nach Absprache mit dem Vorsitzenden,
Herrn Wojahn (SPD), die Sitzung unterbrochen, so dass einzelne Bürger
zum Thema "Einleitung von Oberflächenwasser durch die OHI - Stellungnahme
des Ortsbeirates zum Antrag der OHI" ihre Meinung mitteilen konnten.
Diese Möglichkeit nutzten die Mitglieder der neuen Interessengemeinschaft
gegen eine betriebliche Nutzung des Steinbruchgeländes Nieder-Ramstadt
(IG), die vor wenigen Wochen gegründet wurde. Auch Anwohner aus der
näheren Umgebung des ehemaligen Steinbruchs und die
Naturschützer der Agenda-AG Natur und Umwelt kamen zu Wort und meldeten
Bedenken gegen die geplante Nutzung durch die OHI an.
Der Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Herr Bischoff, erläuterte mit Unterstützung von Herrn Karl-Heinz Waffenschmidt vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) die vorgesehene Dreifachnutzung, die die OHI beabsichtigt. "Alle drei Nutzungspläne der OHI müssen als Ganzes gesehen werden, die Deponie, der Haldenabbau und das Baustoff-Recycling, bevor ein Abpumpen erfolgen kann", sagte Herr Bischoff. Das hätte immense Auswirkungen auf die Natur, die sich das Steinbruchgelände zurückerobert hat. Alle planerischen Vorgaben weisen das Gebiet als schützenswertes Biotop und als Geotop aus. So ist es in Flächennutzungsplan der Gemeinde und im Landschaftsrahmenplan für Mühltal geregelt.
Anschließend erläuterte Herr Norbert Golombek von der IG anhand einer vorläufigen Befüllungsberechnung, dass bei einer 30-jährigen Befüllung täglich viele 20-Tonnen-LKW über die bereits heute überlastete Odenwaldstraße rollen werden.
Ein weiterer Anwohner, der in der parallel zur Odenwaldstraße verlaufenden Sackgasse Im Ebing wohnt, beschrieb sehr lebhaft seine Situation. Die OHI habe sich jahrelang nicht um das Grundstück gekümmert. Jetzt würden Rehe, Wildschweine und andere Waldtiere sein Grundstück betreten, da sein Grundstück direkt an das OHI-Gelände anschließe und kein Zaun mehr vorhanden sei.
In einem weiteren Redebeitrag beschrieb Herr Dr. Florian Schröder die Situation für die erst kürzlich und wegen der hohen Wohnqualität nach Nieder-Ramstadt gezogenen Bürger. Sie haben darauf vertraut, dass das in den Plänen ausschließlich als Waldfläche, Wasserfläche und Sukzessionsfläche ausgewiesene Areal naturbelassen bleibe. Des weiteren erinnerte er daran, dass die ohne Genehmigung erfolgte Rodung durch die OHI erst durch die Naturschutzbehörden gestoppt werden musste und mahnte zur Vorsicht mit der OHI.
Bevor die Sitzung wieder zur eigentlichen Tagesordnung überging, konnte Herr Martin Strippel von der IG den Anwesenden mitteilen, dass das Grundwasserdezernat, eine der vielen Fachabteilungen im Regierungspräsidium, zwei Gutachten in Auftrag gegeben hat, die beide nachweisen, dass Grundwasser im Steinbruch angeschnitten wird.
Nach der Aufhebung der Unterbrechung beschlossen die Ortsbeiratsmitglieder, dass zunächst keine Bewertung der OHI-Pläne erfolgen soll, da Herkunft und Qualität des Wassers nicht hinreichend bekannt sind. Ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes Gutachten soll klären, ob das Wasser des Steinbruchsees in das Trinkwassernetz der Gemeinde Mühltal eingespeist werden kann. Erst dann möchte der Gemeindevostand den Antrag der OHI, den See abzupumpen, inhaltlich bewerten. Ein Zusammenhang zwischen dem Steinbruchsee und den Tiefbrunnen von Nieder-Ramstadt wird nicht gesehen, obwohl einige Ortsbeiratsmitglieder vermuten, dass die Brunnen aus dem See gespeist werden. "Das ist aber nicht bewiesen", so die Aussage von Herrn Runtsch (SPD).
Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.